Leichte Sprache bei Burnout, Depression und Long Covid?

Aktualisiert: 19. Okt.

Viele Menschen kennen die Leichte Sprache oft nur, wenn überhaupt, von den Buttons auf öffentlichen Webseiten. Geklickt und geschaut haben aber wahrscheinlich die Wenigsten.

Die meisten fühlen sich nicht angesprochen, denn "wer braucht schon Leichte Sprache?". Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, vermutlich. Und Menschen mit Behinderungen. Jedenfalls sehen sich wohl die meisten Menschen nicht als Zielgruppe und nehmen bestenfalls zur Kenntnis, dass es so etwas wie "leicht verständliche Sprache" gibt.


Doch was, wenn man plötzlich - vielleicht auch nur zeitweilig – selbst zur Zielgruppe wird? Zum Beispiel, wenn man an Burnout, einer Depression oder auch an Long Covid erkrankt ist und mit schweren Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten zu kämpfen hat?

Von vielen Menschen mit schwerer Depression ist bekannt, dass sie während der Erkrankung kaum in der Lage sind, Informationen und Briefe zu lesen, geschweige denn zu verstehen. Fatal, wenn gerade in solchen Lebensphasen viel Korrespondenz mit verschiedenen Institutionen zum Beispiel Behörden, Arbeitgebern, Krankenkassen, Kliniken und Kostenträgern an der Tagesordnung ist. Wie hilfreich wäre hier eine vereinfachte, klare Kommunikation?


Für manche Betroffene mag es sich merkwürdig und etwas befremdlich anfühlen, plötzlich von "Schwerer Sprache" auf "leicht verständliche Sprache" umswitchen zu müssen. Aber das Gefühl, Informationen zu verstehen, ohne sich mental völlig verausgaben zu müssen und so ein Stück Teilhabe und Selbstbestimmtheit (wieder) zu erlangen, ist wahrscheinlich unbezahlbar.

Und man muss sich fragen: kommt das schlechte Gefühl tatsächlich aus der Person selbst oder vielmehr von dem Stigma, dass leichte und einfache Sprache nur etwas für "Dumme" ist?


Aus diesem Grund sollte leicht verständliche Sprache nicht nur im Bewusstsein von Menschen sein, die im klassischen Sinne mit Inklusion und Barrierefreiheit befasst sind, sondern auch weit über den Tellerrand hinaus. Damit die leicht verständliche Sprache als das gesehen werden kann, was sie ist: Ein hilfreiches, wertfreies und völlig normales Tool zur Teilhabe und Barrierefreiheit für alle Menschen, die es brauchen.


Inspiration: Depressionen - psychenet.de

Long Covid: Jobcoach erklärt, wie Betroffene auf der Arbeit damit umgehen können | STERN.de


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