Alltagsmasken schaffen Barrieren für Gehörlose

„Masken sind schon wirklich lästig! Man kann weder besonders gut atmen noch kann man die Mimik einer Person besonders gut erkennen“! Solche Sätze hört man immer wieder. Und überall. Alltagsmasken schaffen Barrieren. Für alle. Mit Maske und Abstandsregeln wird die Sprache undeutlich und schlecht hörbar. Die Verständigung untereinander ist schwierig. Aber besonders groß sind diese Masken-Barrieren für schwerhörige und gehörlose Menschen. Denn für sie ist die Mimik des Gesichtes und des Mundes wesentlich für die Verständigung.


Lippenlesen ist nicht möglich


Der Gehörlosenbund geht davon aus, dass mehr als 80 000 Menschen in Deutschland gehörlos sind. Bis zu 40 Prozent aller gehörlosen Menschen beherrschten die Gebärdensprache nicht und seien auf das Lippenlesen angewiesen. Und genau dieses Lippenlesen ist es, dass mit einer Alltagsmaske nicht mehr möglich ist.


„Ich zum Beispiel habe nie Gebärdensprache gelernt“, berichtet Lena E. aus Hamburg. Sie sei mit Lautsprache groß geworden. Ihre Mutter lehnte damals die Gebärdensprache ab. Sie wollte nicht, dass ihre Tochter diese Art der Kommunikation erlernt. Also lernte Lena E. das Lippenlesen. Und das Sprechen. Sie beherrscht beides gut, kann mit nahezu jedem kommunizieren. Normalerweise. „Aber im Jahr 2020 gibt es für alle nur noch wenig Normales“, sagt sie. „Auch ich kann jetzt kaum noch mit jemandem kommunizieren. Ich verstehe manchmal gar nichts mehr!“


Die Menschen sind einsam


Lena E. ist jetzt Mitte 40, ist positiv und voller Energie. Sie würde gut klarkommen und wisse sich zu helfen, berichtet sie. Sehr schwer hätten es aber vor allem die Älteren unter den Gehörlosen und Schwerhörigen. "Diese Menschen leiden wirklich unter den Masken. Sie sind einsam. Sie können im Alltag teilweise gar nicht mehr kommunizieren. Häufig trauen sie sich nicht einmal, zum Arzt zu gehen. Internetzugang oder Smartphone sind älteren Menschen häufig fremd. Diese heute üblichen Kommunikationswege fehlen ihnen."


Durchsichtige Masken würden helfen


Lena E. unterstützt alte Menschen in ihrer Nachbarschaft. Sie halten genügend Abstand zueinander, damit sie die Masken abnehmen können und treffen sich, wann immer es möglich ist, draußen vor der Tür. „Es ist niemand Schuld an dieser Situation“, resümiert Lena E. Eine endgültige Lösung gibt es sicherlich nicht so schnell. „Es wäre allerdings schön, wenn jemand durchsichtige Masken herstellen könnte. Mit solchen Masken wäre ein Lippenlesen wieder möglich, ein Leben für viele wieder deutlich einfacher und fröhlicher.“

46 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen