Barrierefreiheit bei Privatunternehmen

Das Leben, Arbeiten und Lernen ist innerhalb des letzten Jahres im großen Stil digital geworden. Viele von uns haben sich daran gewöhnt, einige profitieren sogar davon und nutzen die digitale Welt sehr weitgehend in ihrem privaten und beruflichen Umfeld.

Der Knackpunkt ist: da wo digitale Freiheit für den einen anfängt, steht jemand anderes vor erheblichen Barrieren. Denn viele Webseiten und Apps sind schlichtweg nicht barrierefrei. So zum Beispiel die Luca App. So praktisch die App womöglich für viele ist, so ist diese trotz mehrfacher Kritik seitens der Blinden- und Sehbehindertenverbände für viele Menschen nur eingeschränkt verfügbar. So stellt beispielsweise der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. fest, dass blinde iPhone Nutzerinnen und Nutzer gar nicht über die Startseite der Luca App hinauskommen, da die Funktion zur Bestätigung der Datenschutzerklärung nicht bedienbar sei.


Hinsichtlich einer barrierefreien Bereitstellung von Informationen im Rahmen der Corona-Pandemie ist die Liste der Kritikpunkte an die Bundesregierung tatsächlich lang. Mit Fokus auf die digitale und mobile Zugänglichkeit der Webseiten und Corona-Apps kann man sogar von einem mittelschweren Desaster sprechen.


Auch jenseits von Corona sind immer noch zu viele Angebote nicht für alle Menschen problemlos nutzbar. Deshalb müssen zum Beispiel Online-Shops und E-Book-Verlage bis 2025 in punkto Barrierefreiheit nachrüsten. Entsprechende europäische Richtlinien gibt es bereits, nur die Machbarkeit der Umsetzung besonders für kleine Shops und Verlage wirft Fragen auf. Deshalb ist auch die Bundesregierung immer noch weitestgehend zurückhaltend damit, private Unternehmen allumfassend in die barrierefreie Pflicht zu nehmen. Wenngleich sie auch bestätigt und anerkennt, dass der Nutzen von umfassender Barrierefreiheit für praktisch alle Menschen sinnvoll ist.

Dort wo die Pflicht zur Barrierefreiheit (noch) nicht besteht, finden sich dennoch immer mehr engagierte Firmen, die die Fahne hochhalten für mehr Inklusion und Barrierefreiheit und daraus inklusive Maßnahmen für ihr Unternehmen ableiten.

Und diese Freiwilligkeit hat an dieser Stelle auch definitive Vorteile für die inklusiven Unternehmen: mehr und zufriedenere Kundinnen und Kunden auf der einen Seiten, und einen weitreichenden Social Impact mit Vorbildfunktion auf der anderen Seite. Also keep going!


Quellen:

Rüffer: Barrierefreiheit - Freiwilligkeit behindert Innovationen — Taubenschlag

BSBH - Luca-App – nicht barrierefrei!

Referentenentwurf zum Gesetz für digitale Barrierefreiheit (boersenblatt.net)

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